Bauhaus
Bauhaus-Manifest
Weimar, April 1919
»Bauen bedeutet Gestalten von Lebensvorgängen« Walter Gropius
Evolution der Reduktion
Neue Möbel aus der Weimarer Republik
Stahlrohr ein Industriematerial erobert den Möbelbau
Entwerfen für das neue Wohnen
Auf der Höhe der Entwicklung: Weißenhofsiedlung und Neues Frankfurt
Leuchten und Accessoires aus der Dessauer Metallwerkstatt
Schnörkellos wohnen: Form und Funktion für den Tisch und moderne Dekorationsobjekte
Von der Rolle: die Tapete als erfolgreichstes Bauhausprodukt
Ausdrucksstarke Texturen: die Bauhausweberei
Kunst für die Wohnung: De Stijl
Esprit Nouveau: geistreiche Wohngegenstände aus Paris
Was in Dessau passierte, war in Paris kein Geheimnis. Ebenso aufmerksam verfolgten die Bauhäusler, was in Paris geschah, denn dort experimentierte man ebenfalls mit neuen Formen und Materialien. Neben den an beiden Orten entstandenen Einrichtungsgegenständen verdeutlichen schon wenige Hinweise, wie stark gegenseitiges Interesse und Austausch waren. Walter Gropius und Le Corbusier waren durch Freundschaft und kollegial-kontroverse Auseinandersetzungen verbunden. Noch bevor sie sich kennenlernten, abonnierte das Weimarer Bauhaus 1922 die Zeitschrift »L’Esprit Nouveau«, die, von Le Corbusier mitbegründet, sich progressiver Architektur und Malerei widmete. Ein Jahr später erschien darin eine Rezension des Bauhauskataloges von 1923. Walter Gropius verfasste andernorts einen Artikel mit dem Titel »Wohnmaschine« und griff dabei auf ein Konzept Le Corbusiers zurück. Die Beziehungen zwischen der in der Weimarer Republik und der in Frankreich aktiven Avantgarde zeigen sich auch an den beiden Häusern, mit denen Le Corbusiers Architekturbüro zur Bauausstellung des Deutschen Werkbunds 1927 in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung beitrug. Doch zurück nach Paris. Dort gründeten 1922 die Cousins Le Corbusier und Pierre Jeanneret ein erfolgreiches Architekturbüro. Besonderen Auftrieb bekam es, als die Architektin Charlotte Perriand dort eintrat. Sie wurde Hauptverantwortliche für die Möbelentwürfe des Büros, weil sie sich am besten mit zeitgenössischen Technologien auskannte. Perriand, die schon länger eine Mitarbeit in dem renommierten Büro angestrebt hatte, beeindruckte Le Corbusier 1927 auf dem Pariser Herbstsalon mit einer superschicken Bar, für die sie mit Metall nicht gegeizt hatte. Die im Architekturbüro Le Corbusiers entwickelten Möbel sind Weiterentwicklungen archetypischer Gegenstände, deren Form sich von grundlegenden Bedürfnissen wie Liegen oder Sitzen ableitet. Die direkte Entsprechung zwischen Funktion und Form verleiht ihnen Zeichenhaftigkeit. Ebenfalls in Paris, aber einzelgängerisch, arbeitete eine weitere Grande Dame der Architektur und des Designs: Eileen Gray, deren ungewöhnliche Möbelentwürfe auf ihre Art die Wechselwirkungen zwischen den wichtigsten Schauplätzen des neuen Entwerfens bezeugen.
»Metall spielt beim Möbel die gleiche Rolle, die Zement in der Architektur gespielt hat. Es ist eine Revolution.« Charlotte Perriand
Möbel aus der Fabrik: Jean Prouvé
Menschliche Moderne: die Enwürfe der Aaltos
»Der Versuch, den menschlichen Faktor auszuschließen, ist ein Zeichen von Hilflosigkeit.« Alvar Aalto
Das direkte Erbe: Industriedesign nach 1945
»Gestaltung ist für uns jene Tätigkeit, die unter Berücksichtigung aller technischen, ökonomischen und ästhetischen Faktoren Teile unserer Umwelt hervorbringt, Teile, vom Löffel bis zur Stadt, die dem Menschen auf das beste dienen und die, über die reine Zweckerfüllung hinaus, das Leben bereichern.« Max Bill