Trend: Der Bezug macht das Sofa

15.02.2017
Polsterstoffe erhalten bei der Wahl eines Möbelstücks und der Beratung zu jenen eine immer größere Bedeutung. Aus diesem Grund erzählt Franziska Jaehnz in einem Interview etwas mehr zu Heimtextilien, ihrer Bedeutung und Zukunft.

Wenn Franziska Jaehnz unsere Kunden im Berliner stilwerk zu Sofas oder Sesseln berät, spielt der Polsterstoff eine zentrale Rolle. Das folgende Interview führte Fredericke Winkler von textilwirtschaft.de mit Franziska Jaehnz.

Welche Rolle spielen Textilien bei Ihren Kunden zuhause?

Die Stoffe, die uns zuhause beim Sitzen, Liegen oder Laufen berühren, sind haptisch wie visuell sehr präsent und deshalb wichtig in der Gestaltung des eigenen „Nestes". Unsere Kunden haben Familie, es gibt oft mehrere, lebhafte Kinder und sie laden gern Gäste nach Hause ein. In der Beratung setzen sie sich aufmerksam mit der Stoffwahl auseinander. Oft werden Stoffproben ausgeliehen oder wir beraten beim Kunden vor Ort. Die Entscheidung für einen Stoff wird also selten an einem Tag getroffen, sie ist ein Prozess, mit dessen Ergebnis der Kunde viele Jahre leben wird. Ganz wichtige und zwingende Marker sind Langlebigkeit und Wertigkeit.

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Wie hat sich der Heimtextilmarkt für Sie verändert?

Wir arbeiten im Möbelhandel mit herstellereigenen Stoffen und mit dem Hersteller Kvadrat zusammen. Erkennbar ist, dass Wolle nach wie vor die absolut primäre Faser bei wertigen Stoffen ist, zunehmend jedoch auch Stoffe mit hohem Synthetik-Anteil angeboten werden, die sich sehr angenehm anfühlen und von Kunden akzeptiert werden. Der anhaftende Dünkel aus den 70ern verblasst.
Das Thema „Kooperation mit Künstlern" hat auch im Möbelhandel Einzug gehalten. Bezüglich der Stoffe ist hier die Zusammenarbeit von TALR mit Fritz Hansen vor einigen Jahren interessant, wo es eine Patchwork-Edition des Sessels „Ei“ von Arne Jacobsen gab. Auch Vitra zeigt in der Zusammenarbeit mit Hella Jongerius, wie ernst der textile Part im Sortiment zu nehmen ist. Die von ihr neu entwickelte Farbreihe des Stoffklassikers Hopsack findet große Zustimmung. Der Aluchair von Eames ist seitdem spürbar mehr gefragt – auch in Privaträumen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Ich denke, dass wir bei Stoffen langfristig mehr über ihre Herkunft aufklären müssen. Bei unseren Kunden wird dies mehr und mehr zum Entscheidungskriterium. Es geht um globale Verantwortung, wie bei jedem Produkt, das wir importieren. So schätze ich es zum Beispiel, dass ich bei jedem Stoff von Raf Simons neben den Martindales erfahre, dass er in Holland, England, Neuseeland oder Norwegen produziert wurde.

Welche Unterstützung vonseiten der Hersteller würde Ihre Arbeit erleichtern?

Ich erlebe unsere Kunden als sehr offene und interessierte Menschen. Das Gefühl, dass man umfassend kompetent ist und nicht nach "Standard" berät, schafft ein nicht zu ersetzendes Vertrauen und schließlich eine Treue, die wir erreichen wollen. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Hersteller von sich aus fundierteres Wissen vermitteln.
Es geht nicht nur um Preise, Größen, Farben oder die Oberfläche. Gerade bei hochwertigen Stoffen lohnt das Verständnis von Herkunft und Herstellung einer Faser, seiner Eigenschaften und seiner Weiterverarbeitung. Nicht jeder Kunde braucht von uns dieses Wissen, aber uns als Berater ermöglicht es ein professionelleres Agieren und mitunter eine noch gezieltere Beratung.
Ich denke auch, dass Standardangaben noch besser vereinheitlicht werden könnten. Als ein Beispiel möchte ich die Angabe der Lichtbeständigkeit von Stoffen erwähnen. Hierfür gibt es eine Skala. Manche Hersteller rechnen die Werte von oben nach unten, andere umgekehrt. Auch die Länge der Skala variiert. Das schafft unnötige Unklarheiten.

Was ist für Sie der Trend in 2017?

Vielleicht setzt sich der Samt-Trend auch noch ins kommende Jahr fort. Hersteller bauen mehr auf neuartige Strukturen, Stoffe dürfen wie ein abstraktes Bild, eine Zeichnung erscheinen. Die Japaner sind hier sehr inspirierend. 

Vielen Dank Franziska!

Für eine ausführliche Beratung zur Einrichtung und zu Polsterstoffen erreichen Sie Frau Jaehnz unter 030 319 98 50 55 oder per E-Mail:  fj@minimum.de.